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< Stolpersteinverlegung am Max-Slevogt-Gymnasium
10.11.2017

"25 Steine, 25 Menschen, 25 Schicksale"

Eröffnung der Ausstellung und Verlegung der Stolpersteine für 25 jüdische Schülerinnen der Höheren Töchterschule


 

Am Jahrestag des Pogroms vom 9. November 1938 ("Reichskristallnacht") verlegte Künstler Günter Demnig unter großer Anteilnahme von Schulgemeinschaft und Öffentlichkeit für jede der 25 Schülerinnen, die unsere Vorgängerschule in der Zeit des Nationalsozialismus besuchten, einen "Stolperstein". "Die Steine geben den Opfern ihre Namen zurück. Durch sie wird Geschichte konkret und Erinnerung lebendig", so Geschichtslehrer Marc Eckendorf zuvor bei der Eröffnung der die Aktion begleitenden Ausstellung.

Dem Tag gingen intensive Recherchearbeiten voraus: Auf Inititiative und unter Anleitung von Religionslehrerin Dr. Ehrmantraut und Frau Kohl-Langer, Leiterin des Stadtarchivs, hatten mehrere Schülergruppen monatelang Meldekarten, Online-Datenbanken und weitere Dokumente ausgewertet, um die einzelnen Schicksale zu rekonstruieren.

Während der Zeremonie, die der Chor der 7. Klassen und das Blech-Bläserensemble des Fachbereichs Musik in bewegender Weise untermalte, wurden sieben Biografien vorgetragen. Stellvertretend für die Schülerschaft legte die SV weiße Rosen auf den Stolpersteinen nieder. Auch Schulleiter Jochen Flohn und Bürgermeister Dr. Ingenthron unterstrichen die Bedeutung der damit verbundenen Erinnerungskultur gerade in heutiger Zeit.

Die Ausstellung kann weiterhin im 2. Obergeschoss im Verbindungsgang Altbau-Neubau besichtigt werden. Um Anmeldung im Sekretariat wird gebeten."

Fotos von der Feierstunde sind in der Galerie zu finden.

Artikel aus der Rheinpalz vom 10.11.2017:

„Jugend zu Haltung erziehen“

Aufrichtig zurück und standhaft in die Zukunft schauen – unter diesem Leitgedanken von Oberbürgermeister Thomas Hirsch stand der gestrige 9. November in Landau. Erst bei der Verlegung von 25 Stolpersteinen am MSG, dann bei der Gedenkfeier am Synagogenmahnmal.

Selten sei es wichtiger gewesen zu betonen, dass wir der Auseinandersetzung und der Aufarbeitung der Herrschaft der Nationalsozialisten bedürfen, betonte Thomas Hirsch am frühen Abend auf dem Elias-Grünebaum-Platz. „Es geht darum, für die Zukunft Schuld zu vermeiden.“ Vor 79 Jahren, am 9. November 1938, hatte an dieser Stelle auch die Landauer Synagoge gebrannt.

Die melancholischen Saxofonklänge von Peter Damm und die Gebete der Dekane Volker Janke und Axel Brecht von der protestantischen sowie von der katholischen Kirche bei der Gedenkfeier ergänzten einige Schüler des Max-Slevogt-Gymnasiums (MSG) mit ihren Vorträgen. Sie haben sich mit ihren Lehrern und Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer auf Spurensuche begeben und die Schicksale der 25 jüdischen Mädchen erforscht, die bis 1937 die Höhere Töchterschule im Nordring besucht hatten, Vorgängerin des MSG (wir berichteten am 26. Juni und 6. November). Dort hatte am Nachmittag der Kölner Künstler Gunter Demnig 25 Stolpersteine ins Pflaster vor dem Eingang am alten Messplatz eingelassen.

Zu diesem „ganz besonderen Ereignis“ begrüßte Schulleiter Jochen Flohn viele Zuhörer, darunter auch ehemalige Lehrer und Schüler des MSG. Der Geschichtslehrer Marc Eckendorf und Elias Rumpf aus dem Elfer-Jahrgang stellten das Projekt „Ein Stein, ein Mensch, ein Schicksal“ und die daraus entstandene Ausstellung vor. Dadurch werde Geschichte lebendig und konkret, sagte Eckendorf in einer bewegenden Rede. Schulen sollten die Jugend zu Haltung erziehen und ihnen positive Werte wie Toleranz vermitteln. „Sie sollen eigenständig, kritisch und komplex denken.“

Gegen Intoleranz und Ausgrenzung wandte sich auch Bürgermeister Maximilian Ingenthron. Die Stolpersteine sollten sichtbar ihre Wirkung entfalten. sas

Quelle: Die Rheinpfalz Pfälzer Tageblatt - Nr. 260, Die Rheinpfalz Pfälzer Tageblatt - Nr. 260

Ein weiterer Artikel aus der Rheinpfalz ist unter "News" vom 07.11.2017  zu finden.